Vocalensemble Würzburg - Der feine Chor aus Würzburg


16. Februar 2003

Geistliche Chormusik von Caldara und Lotti

Franziskanerkirche in Würzburg

Antonio Caldara (1670-1736) "Missa Dolorosa"
"Crucifixus a 16 voci"
Antonio Lotti (1667-1740) "Credo a 4"

Ausführende Vocalensemble Würzburg und Barockensemble Würzburg (auf historischen Instrumenten)

Musikalische Leitung Philipp Barth

Die drei Werke gehören zu den reichen Schätzen italienischer geistlicher Chormusik aus dem Barock. Beide Komponisten sind eine echte Entdeckung.

Die hohe Wertschätzung Antonio Caldaras lässt sich an den zahlreichen Abschriften ermessen, die u.a. von J. S. Bach und W. A. Mozart und vielen anderen Komponisten angefertigt wurden. Im Venedig des Spätbarock musikalisch ausgebildet, wirkte Caldara ab 1712 in Wien. Über den Würzburger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, der ein großer Sammler Wiener Musik war, bestanden enge musikalische Verbindungen zwischen Wien und Würzburg. So wurden in Würzburg mindestens bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts auch Werke Caldaras musiziert und aufgeführt, viele autographe Partituren in der Sammlung Wiesentheid zeugen von der Popularität Caldaras in fränkischen Musikerkreisen. Da die Besetzung der Missa dolorosa exakt den Möglichkeiten der damaligen fürstbischöflichen Musik entspricht und es zahlreiche Belege für einen regen kirchenmusikalischen Austausch zwischen Wien und Würzburg gibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Missa dolorosa in Würzburg aufgeführt wurde.

Mit der Missa dolorosa führte das Vocalensemble Würzburg ein Spätwerk unter Caldaras insgesamt ca. 50 Messen aus dem Jahre 1735 auf. Diese ausgedehntere Messe war ursprünglich wohl für höhere Kirchenfeste gedacht, so bezieht sich auch der Beiname "dolorosa" wahrscheinlich auf das erst wenige Jahre zuvor eingeführte Marienfest "Septem Dolorum Beatae Mariae Virginis".

Caldaras "Crucifixus a 16 voci" ist ein einzeln überliefertes Werk. Einerseits ist es wegen seiner kühnen 16-Stimmigkeit sicher das berühmteste Werk Caldaras, andererseits ist es aus diesem Grund und den daraus resultierenden aufführungspraktischen Schwierigkeiten ein sehr selten zu hörendes Werk. Die einzelnen Teile des Crucifixus-Textes werden von verschiedenen Seite beleuchtet, immer wieder schwingt sich das Werk von kammermusikalisch anmutenden Passagen einzelner Stimmen zu beeindruckender sechzehnstimmiger barocker Klangfülle auf.

Auch Antonio Lotti war zu seiner Zeit eine feste Größe im europäischen Musikleben, den andere Komponisten der Zeit wie J. S. Bach, G. F. Händel oder A. Vivaldi aufgeführt und kopiert haben. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Lotti in seiner Geburtsstadt Venedig. Dank seines hervorragenden Rufes als Komponist zahlreicher Kirchenkompositionen als auch von knapp 20 Opern lud der sächsische Kurprinz Friedrich August 1717 Lotti für zwei Jahre nach Dresden ein. In dieser Zeit entstand auch sein "Credo in F-Dur". Im "Crucifixus" des Credos verleiht Lotti dem Text durch die dichte Verwendung von Dissonanzen einen so intensiven Ausdruck, dass es darüber in einem zeitgenössischen Bericht heißt, Antonio Lottis Werk sei von so "staunenerregendem Wohlklang, dass man nicht sagen kann, ob dies mehr zur Trauer oder zur heiligen Lust gereiche."