März 2004
"Friede auf Erden" - Geistliches Chorkonzert, mit den "Erlanger Grillen"
| 07.03.2004, 17 Uhr | Kreuzkirche Ochsenfurt (ohne die Erlanger Grillen) | |
| 13.03.2003, 20 Uhr | Hofkirche der Residenz Würzburg | |
| 12.03.2003, 20 Uhr | Erlangen |
Programm
| H. Schütz (1585-1672) | "Herr, auf dich traue ich" aus der geistl. Chormusik 1648 (EG) |
| J. H. Schein (1586-1630) | "Lehre uns bedenken" Geistliches Madrigal für 5st. gemischten Chor aus dem Israelsbrünnlein 1623 (EG) |
| A. Bruckner (1824-1896) | "Os justi" Graduale für 4-8stimmigen gemischten Chor (EG) |
| J. S. Bach (1685-1750) | "Fürchte Dich nicht" Motette für 2-4stimmige gemischte Chöre (VW) |
| E. Rautavaara (*1928) | "Die erste Elegie" von Rainer Maria Rilke (1993) für 4- bis 8st. gemischten Chor (VW) |
| J. H. Schein (1586-1630) | "Wende dich, Herr, und sei mir gnädig" "Die mit Tränen säen" Geistliche Madrigale für 5st. gemischten Chor |
| A. Bruckner | "Christus factus est" Graduale für 4- und 8st. gemischten Chor (EG) |
| G. Verdi (1813-1901) | "Pater noster" Textfassung nach Dante für 5st. gemischten Chor (EG) |
| J. Brahms (1833-1897) | Drei Motetten, op. 110 für 4- und 8stimmigen gemischten Chor (VW) 1. "Ich aber bin elend" 2. "Ach, arme Welt, du trügest mich" 3. "Wenn wir in höchsten Nöten sind" |
| A. Schönberg (1874-1951) | "Friede auf Erden", op.13 (1907) für achtstimmigen gemischten Chor (VW) |
| J. Rheinberger (1839-1901) | "Abendlied" für 6stimmigen Chor a cappella (EG+VW) |
| M. Reger (1873-1916) | "Nachtlied" Acht geistliche Gesänge, op. 138, Nr. 3 (EG+VW) |
Unterstützt durch Musikalien Kreuzer, Rotscheibengasse 3, 97070 Würzburg, Tel. 0931-882460
Arnold Schönberg: "Friede auf Erden"
Arnold Schönberg sah sich selbst klar in der Nachfolge Johannes Brahms. Sein Chorwerk "Friede auf Erde", 0p. 13 entsteht im Jahr 1907 an der Schwelle zwischen monumental-spätromantischer Komposition hin zu kurzer abstrakter Atonalität. Schönbergs achtstimmiges Werk für Chor a cappella verlässt jedoch "an keiner Stelle das Gehäuse der Tonalität" (Clytus Gottwald). Sieben Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges zeigt Schönberg hier, als sei es ein letztes Mal, das noch Denkbare im Rahmen der traditionellen musikalischen Harmonik.
Schönberg griff bei der Vertonung auf ein Weihnachtsgedicht von Conrad Ferdinand Meyer zurück, das dieser bereits im Oktober 1886 für die Weihnachtsnummer von "Schorers Familienblatt" geschrieben hatte. Die erste Strophe des Gedichtes beginnt mit der Friedensbotschaft der christlichen Weihnachtslegende, vorgetragen im Ruf der Engel: "Friede auf der Erden". Die zweite Strophe bildet hierzu die Antithese. Aus den Engeln wird nun der Chor der Geister, der den Frieden nur noch leise, zagend fordert angesichts der blut'gen Taten auf Erden. Die dritte Strophe schließlich ist eine Tröstung. Sie erinnert an den ew'gen Glauben, an einen möglichen Frieden trotz frecher Mordgebärde. In der 4. Strophe wird die Idee eines Friedensreiches entwickelt, der in künftigen Generationen Realität werde.
Doch blieb Schönbergs Chorwerk vorläufig ungehört. Die technischen Ansprüche der Komposition wirkten einschüchternd und abschreckend auf die Zeitgenossen. Der traditionsreiche Wiener Singverein kapitulierte bereits vor Probenbeginn vor der Partitur. Erst 1911 versuchte Franz Schreker mit dem von ihm gegründeten Philharmonischen Chor sich erneut an dem Werk, nachdem er Schönberg eine Orchesterbegleitung ad libitum abgerungen hatte. Schönbergs Ideal blieb jedoch die a cappella Version: "Es entspricht also der Absicht des Komponisten, diese Begleitung möglichst unhörbar zu machen, so dass der Chorklang möglichst rein und ungetrübt erscheint", stellte Schönberg unmissverständlich klar. Schreker dämpfte das Orchester "bis beinahe zur Unhörbarkeit" ab, was jedoch angesichts der Besetzung nicht allzu schwierig gewesen sein dürfte: "wir waren: über 120 Damen, 30 Tenöre und über 50 Bässe. Es hat wundervoll geklungen, und Sie hätten sicher helle Freude an der Aufführung gehabt."
Aber Schönberg schrieb in einem Brief bald schon mit einer wehmütigen Resignation von seinem Werk, dass es "eine Illusion für gemischten Chor ist, eine Illusion, wie ich heute weiß, der ich 1906 (?), als ich sie komponierte, diese reine Harmonie unter Menschen für denkbar hielt, und mehr als das: ohne dauerndes Beharren auf geforderter Höhe des Tones nicht geglaubt hätte existieren zu können. Seither habe ich nachgeben lernen müssen und gelernt, dass "Friede auf Erden" nur möglich ist unter schärfster Bewachung der Harmonie, mit einem Wort: nicht ohne Begleitung." Diese doppeldeutigen, ironischen Worte verraten das überaus skeptische Menschenbild des Komponisten, seine Zweifel an der Friedensfähigkeit der Völker und der versöhnenden Kraft der Künste. "Wenn es vielleicht richtig ist", bemerkte Schönberg, "dass man religiös sein muss, wenn man Kirchenmusik schreibt, verliebt, wenn man Liebeslieder schreiben will, so muss man doch gewiss nicht verwundet sein, um einen Verwundeten, oder sterbend, um einen Sterbenden zu schildern. Und so wäre es gewiss möglich, eine Friedenshymne zu komponieren, ohne dass man an einen ewigen Frieden glaubt."
Zu Einojuhani Rautavaara: "Die erste Elegie"
Rautavaara schreibt im Vorwort zu seinem Chorwerk "Die erste Elegie":
"Die frühe Begegnung mit Rainer Maria Rilkes Dichtung war für mich ein großer literarischer, gar weltanschaulicher Fund. In Gedanken verbinde ich das immer noch mit der Ruinenmystik im Wien der Nachkriegszeit. Seit dieser Zeit trug ich auch die "Duineser Elegien", Rilkes Hauptwerk, ständig mit mir herum. Immer wieder nahm ich das Buch in die Hand und las besonders in der ersten Elegie, deren "Engel" mir zum Inspirator wurde. (...) Der Augenblick für eine Engel-Elegie war aber erst gekommen, als 1993 der internationale Chorverband "Europa Cantat" ein großes Werk bei mir in Auftrag geben wollte. Die Elegie mag lange im Unterbewusstsein herangereift sein, die Kompositionsarbeit war rasch getan. Den Ausgangspunkt für das kompositionsmaterial der Ersten Elegie (1993) stellt eine aus vier Dreiklängen gebildete Zwölftonreihe dar, die ich aber völlig anders als nach den Regeln der atonalen Technik benutze. Die Farbe der Elegie ist daher, auch wenn sie dramatisch wird, weich und lyrisch, ausdrucksstark."
