Vocalensemble Würzburg - Der feine Chor aus Würzburg


"Vom Wasser"

Solistin: Eva Resch


Samstag, 25. März 2006
Schloß Schwarzenberg, Scheinfeld

Sonntag, 26. März 2006
Spitäle, Würzburg


Programm
Edward Elgar (1857-1934)
„Love´s Tempest“
Johannes Brahms (1833-1897)
„Zwei Lieder aus dem Jungbrunnen“
Robert Schumann (1810-1856)
„Der träumende See“
John Cage (1912-1992)
„Experiences II”
Joachim F.W. Schneider (*1970)
aus: „Live!“ Nr.7
Max Reger (1973-1916)
„Es waren zwei Königskinder“
Johannes Brahms (1833-1897) 
„Die Braut“
Benjamin Britten (1913-1976)
„Carol“
Ralph Vaughan Williams (1872-1958)
„Full Fathom Five“
Joachim F.W. Schneider (*1970)
„Wasser“
Nils Wilhelm Gade (1817-1890)
„Die Wasserrose“
Robert Schumann (1810-1856)
„Die Lotusblume“
Hugo Wolf (1860-1903)
„Resignation“



Chormusik über und unter dem Wasser

Auf den ersten Blick ist Wasser nur ein einfaches Molekül. Doch es ist die Basis allen Lebens und hat zu allen Zeiten auch zu musikalischer Auseinandersetzung angeregt.

Komponisten haben häufig versucht, das Element Wasser konkret in Klang umzusetzen, da es selbst mit Geräusch verbunden ist. Leises Murmeln, rasches Fließen oder ein heftiger Sturm wecken unterschiedliche geistige Bilder, können aber auch allegorisch für innere Ruhe oder für wilde Leidenschaft stehen. Gleichzeitig ranken sich viele Geschichten um das Wasser, wie das Märchen von zwei Königskindern, die durch tiefes Wasser getrennt sind. Auch schaurige Geschichten von einer Moorleiche oder einem ertrunkenen Bräutigam von der Insel Rügen fehlen nicht in unserem Programm. Daneben stehen Werke, die romantische Bilder von träumenden Seen und anmutigen Wasserrosen beschreiben.

In der Mitte unserer Betrachtungen über das Wasser steht die Uraufführung der Komposition „Wasser“, die Joachim F.W. Schneider im Dezember 2005 für das Vocalensemble Würzburg komponiert hat:

Der Komponist hat bei seiner Komposition keinen zusammenhängenden Text verwendet, sondern einzelne Worte gesammelt, die mit dem Element Wasser in Verbindung stehen. Diese Wörter hat er in Gruppen mit gleichen Sprachlauten zusammengefasst und daraus anwachsende und abnehmende Klangflächen gebildet.

„Was man davon hören kann, ist wie ein Angebot, aus dem der Hörer sein individuelles Assoziationsgeflecht herauszieht. Beim Sprechen erzeugt jeder Mensch eine Vielzahl von klanglich sehr reichhaltigen Lauten, die außerdem sehr schnell aufeinander folgen. Wenn man Text in der herkömmlichen Weise singt, verschiebt sich alles in Richtung einer starken Dehnung der Vokale. Diese Dehnung wird in "Wasser" abgeschwächt, indem den Konsonanten mehr zeitlicher Raum gegeben wird, ohne dabei den Rhythmus, den die Sprache vorgibt, ganz zu verlassen. Zudem werden die Laute fast immer gleichzeitig gesungen und gesprochen. Durch das simultane Erklingen von kultiviertem, wohldefiniertem Ton und naturbelassenem, freiem Klang bekommt der gesungene Ton eine Aura von Mehrdeutigkeit, die ihre Entsprechung in der grundsätzlichen Textanordnung dieses Stückes hat.“

 (J.F.W. Schneider)


Mit diesem Stück beweist das Vocalensemble wieder einmal seine Neugier für zeitgenössische Chor-Kompositionen, die wie „Wasser“ von Joachim F.W. Schneider zwar bis dahin unbekannte und außergewöhnliche Schwierigkeiten aufweisen können, aber dadurch auch in der Erarbeitung eine spannende Herausforderung sind.



Joachim F.W. Schneider

wurde 1970 im bayerischen Feuchtwangen geboren. Er begann zunächst ein Kirchenmusikstudium in Esslingen, wechselte dann aber 1991 an die Hochschule für Musik Würzburg. Dort studierte er bei Heinz Winbeck Komposition und schloß sein Studium 2000 in der Meisterklasse ab.

Schneider erhielt mehrere nationale und internationale Auszeichnungen, u.a. den Bayerischen Staatsförderpreis 2005 und den Europäischen Komponistenpreis 2003. Seine Werke wurden von namhaften Solisten, Ensembles und Orchestern aufgeführt, u.a. dem Rundfunk Sinfonieorchester Saarbrücken , dem RIAS Jugendorchester, dem Ensemble Köln sowie dem Ensemble Maderna, mit dem er auch als Dirigent eng verbunden ist. Schneider komponiert Werke für unterschiedlichste Besetzungen: für Streichquartett, Orchester und Chor ebenso wie z.B. für Klavier, Perkussion, E-Gitarre und Tuba solo.

Neben seiner Tätigkeit als Komponist und Dirigent unterrichtet Schneider seit 1998 an der Hochschule für Musik Würzburg als Lehrbeauftragter verschiedene Fächer aus den Bereichen Komposition und Musiktheorie.


Eva Resch

geboren 1976 in Passau, studierte Gesang bei Professor Sigune von Osten und Professor Eugen Rabine. Sie war Gaststudentin am Operninstitut Karlsruhe, wo sie unter anderem mit Prof. Renate Ackermann und Prof. Alicija Mounk arbeitete.

Meisterkurse belegte sie im Fach Oper bei Peter Konwitschny und im Fach Liedgestaltung bei Helmut Deutsch. Sie sang auf Einladung in der Staatskanzlei Mainz Werke von John Cage, beim Festival „Nachtmusik“ Braunschweig, bei den „Tagen der Neuen Musik“ Würzburg und dem Festival „A-devantgarde“ München. 2003 war sie für Rihms Oper „Die Eroberung von Mexico“ als hoher Sopran beim „Cervantino Festival“ in Guanajuato (Mexico) und am „Teatro de Bellas Artes“ (Mexico City) engagiert. 2004 sang sie in der Uraufführung der Oper „Berenice“ von Johannes Maria Staud anläßlich der „Münchener Biennale“ und der „Wiener Festwochen“. Im Herbst 2004 feierte sie bei den „Berliner Festspielen“ ihr Debut. Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk runden ihren bisherigen Werdegang ab.